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Verbale Dyspraxie

Bei Kindern mit einer Dyspraxie können auch Hindernisse in anderen Entwicklungsbereichen auftreten, beispielsweise beim Sprechen. Schätzungsweise 30% der dyspraktischen Kinder sind von der verbalen Entwicklungsverzögerung betroffen, die daher auch als „verbale Entwicklungsdyspraxie“ oder „verbale Dyspraxie“ bezeichnet wird.

Was ist eine verbale Dyspraxie?

Der Deutsche Bundesverband für Logopädie e.V. (dbl) beschreibt die verbale Dyspraxie als „Störungen [in] der Planung der Sprechmotorik“ (dbl, 2003, S. 2). Verantwortlich sind hierfür allerdings nicht die für das Sprechen zuständigen Organe, wie die Zunge oder die Stimmbänder (Mehr hierzu finden Sie unter „Ursachen“).

Bei einer verbalen Dyspraxie ist die Bewegungsplanung gestört, die für die Sprechbewegungen zuständig ist. Den Kindern fällt es daher manchmal schwer, die richtigen Wörter zur richtigen Zeit in der richtigen Reihenfolge auszusprechen (Boon, 2010, S. 11).

Wie äußert sich eine verbale Dyspraxie?

Schon früh sind die Anzeichen für eine verbale Dyspraxie beim Kind wahrnehmbar. Sie äußern sich durch häufiges Husten oder Verschlucken bei der Nahrungsaufnahme, da die Abfolge von saugen, schlucken und atmen schwer fällt. Die Kinder produzieren beispielsweise viel Speichel, wenn die Nahrung von Brei auf feste Mahlzeiten umgestellt wird.

Die Sprachentwicklung ist bei Kindern mit einer verbalen Dyspraxie deutlich verzögert. Im Vergleich zu anderen Kindern fangen sie deutlich später zu sprechen an. Dabei produzieren sie anfangs nur wenige „Lall-Laute“, später entwickeln sie eine Art Vokalsprache, bei der die Konsonanten fehlen (z.B. „Oaaaa“, „Eeea“).

Vielen Eltern fällt zudem auf, dass ihr Kind auch Schwierigkeiten mit der Grobmotorik hat, also etwa häufig stolpert oder sich an Möbeln stößt- also Kennzeichen einer allgemeinen Dyspraxie aufweist. Im Schulalltag äußert sich eine verbale Dyspraxie oft durch allgemeine Lernschwierigkeiten. Besonders das Lesen oder Buchstabieren fällt den betroffenen Kindern schwer.

In den meisten Fällen wirkt sich eine (verbale) Dyspraxie auch auf die Psyche und das Wohlbefinden der Kinder aus. So leidet beispielsweise das Selbstbewusstsein durch Hänseleien anderer Kinder oder weil Handlungen nicht so einfach gelingen. Zu den Auswirkungen finden Sie mehr unter den Unterpunkten „Dyspraxie Auswirkungen“ und „Einschränkungen“.

Welche Ursachen hat eine verbale Dyspraxie?

Bislang ist noch nicht vollständig geklärt, wie es zur Entwicklung einer (verbalen) Dyspraxie kommt. Es scheint allerdings klar zu sein, dass die sprachlichen Schwierigkeiten mit den motorischen Problemen zusammenhängen, da sich die jeweiligen Hirnareale überlappen.
Aus diesem Grund treten Bewegungs- und Spracheinschränkungen häufig in Kombination auf.
Bei einer verbalen Dyspraxie ist somit der Teil des Gehirns beeinträchtigt, der für die Sprachsteuerung zuständig ist.

Was können Eltern bei einem Verdacht tun?

Haben Eltern den Eindruck, dass die sprachliche Entwicklung ihres Kindes verzögert ist, stellt der Kinderarzt die erste Anlaufstelle dar. Nach seiner Wie wird eine verbale Dyspraxie behandelt? Beurteilung wird das Kind im Bedarfsfall für eine genaue Diagnose zu einem Logopäden (Sprachtherapeuten) überwiesen. Der Logopäde übernimmt in Absprache mit den Eltern auch die weiteren Schritte, falls beim Kind eine verbale Dyspraxie festzustellen ist.
Auch Frühfördereinrichtungen, pädiatrische Ambulanzen in Kliniken oder sozialpädiatrische Zentren sind geeignete Ansprechpartner.

Wie wird eine verbale Dyspraxie behandelt?

In der Regel trainiert ein Logopäde mit dem Kind die Sprechbewegungsabläufe. Das sind die Sprechbewegungen, die bei einer verbalen Dyspraxie schwer fallen. Hierbei hat sich eine hohe Wiederholungsrate als besonders hilfreich erwiesen. Das bedeutet auch, dass das Kind Zuhause weiter übt und die Eltern dementsprechend gefordert sind, ihr Kind hierbei zu unterstützen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Die Risikofaktoren für die Entstehung einer (verbalen) Dyspraxie sind bislang noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt allerdings Hinweise, dass einige Umstände die Entwicklung einer Dyspraxie deutlich erhöhen können. Hierzu zählen vor allem Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt: Infektionen während der Schwangerschaft, Wachstumsstillstand des ungeborenen Kindes, Frühgeburt, geringes Geburtsgewicht oder Sauerstoffmangel während der Geburt (perinatale Hypoxie) können offenbar die Entstehung einer Dyspraxie beim Kind begünstigen.