Schul-Alltag

Die Kinder sind sehr kreativ, wenn es um Ausreden geht, die ihre Unfähigkeit kaschieren sollen.
Ein „ich will nicht“ bzw. „ich wollte nicht“ heißt i.d.R. „ich kann nicht“ bzw. „es ist mir nicht gelungen“.

Sämtliche Ausübung von fein- oder grobmotorischen Bewegungen fällt den Kindern schwer. Deshalb gelingt es ihnen auch nur schwer, in der Schule gestellte Aufgaben – vor allem im Kunst- und Sportunterricht – zufriedenstellend zu erledigen.

Aber auch das Schreiben als Vorgang an sich ist schon eine Herausforderung: Das Kind muss sich darauf konzentrieren, nicht nur den Stift zu halten, sondern ihn auch noch so zu halten, dass es damit Buchstaben, die es abgespeichert haben muss, in richtiger Dosierung des Drucks auf Papier bringt.


Auffälligkeiten in der Schule

Es ist sehr viel Struktur erforderlich, die vielfach eine große Herausforderung darstellt. Zusätzlich muss das Kind viele neue Handlungsabläufe erlernen, abspeichern und umsetzen. Da ein von Dyspraxie betroffenes Kind dabei viel mehr Unterstützung bedarf als andere gleichaltrige Kinder, kommt es häufig nicht nur zu Schwierigkeiten beim Schreiben, sondern auch beim Linien einhalten, Ordnen und Wegheften von ausgeteilten Zetteln und weiteren schulischen Aktivitäten.

Zusätzlich entsteht für die Betroffenen häufig eine enorme Belastung, weil sie mit den anderen Kindern mithalten wollen. Kinder mit einer Dyspraxie sind häufig sehr intelligent, weshalb es für sie auch sehr schwer zu begreifen ist, dass sie trotzdem so viel Unterstützungen benötigen. Deshalb kann in es in vielen Fällen dazu kommen, dass das Kind sehr frustriert ist und nur noch ungern zur Schule gehen möchte.


Kunst

Einfaches Ausschneiden mit einer Schere erfordert großes Geschick und auch im Malen / Zeichnen sind selten altersgemäße Ergebnisse zu erwarten.


Sport

Allein durch ihren eigenwilligen und auffälligen Laufstil, der zusätzlich keine Geschwindigkeit zulässt, fallen Kinder mit Dyspraxie den Mitschülern auf und sind dadurch häufig deren Hänseleien oder Ausgrenzungen ausgesetzt.


Mathe

Im Mathematikunterricht fällt die exakte Handhabung mit Utensilien wie z.B. Lineal bzw. Geodreieck oder Zirkel besonders schwer.


Deutsch

Im Deutschunterricht ist es bspw. schwierig, eine Bildergeschichte in die richtige Reihenfolge zu bringen oder eine Handlung der Reihe nach zu erzählen. Das Kind kann dann zum fabulieren neigen oder verliert sich in einem großen Durcheinander.

Die mündliche Mitarbeit im Unterricht ist häufig unauffällig und gelingt sehr gut, aber eine schriftliche Umsetzung bringt allzu oft nicht das gewünschte Ergebnis.

Nicht nur das freie Schreiben, auch das reine Abschreiben von Texten gelingt nicht immer fehlerfrei.


Teilleistungsstörung und Nachteilsausgleiche

Die Dyspraxie fällt in die Kategorie der Teilleistungsstörungen. Und Kinder mit Teilleistungsstörungen haben in der Schule ein Anrecht auf einen Nachteilsausgleich.

Dabei muss bei jedem Kind individuell geschaut werden, in welchen Bereichen und Fächern ein Nachteilsausgleich sinnvoll ist.
Bei schriftlichen Arbeiten kann man evtl. die Aufgaben reduzieren, um eine gleiche Bewertung zu erhalten oder eine Zeitzugabe geben, wenn es denn durch Pausenregelungen etc. realisierbar ist. Im Sport sollte mehr die Bereitschaft als die Leistung bewertet werden, damit zu dem unverschuldeten Defizit nicht auch noch eine zusätzliche Bestrafung in Form von schlechten Noten dazu kommt.


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